Das liest man aber so mittelgern:

Da hat mich ein Amazon-Leserrezensent ganz schön abge­watscht (an eini­gen Stel­len auch ad homi­nem); teil­weise nicht zu Unrecht. Dass Ama­zon bei­spiels­weise die Per­so­nen, von denen es Bio­blurb hat (u.a. von mir) so über Gebühr pla­ka­tiert, ist albern, inde­zent und rückt (in die­sem Fall) auch unsere Ewers-Ausgabe in ein fal­sches Licht.
Einige Sätze des Rezen­sen­ten möchte ich aller­dings gerne kom­men­tie­ren:

Kurz zum Inhalt: Ewers schreibt an und für sich (nor­ma­ler­weise) genial, komisch und immer tief­sin­ni­ger, als es erst scheint – aller­dings, der Stil ist hier irgend­wie merk­wür­dig flach und nicht der, den ich von ihm kenne; und was muss ich lesen,unter Anmer­kun­gen des Her­aus­ge­bers?!

Ob Ewers so viel lite­ra­ri­scher Ruhm gebührt wie behaup­tet, will ich hier nicht kom­men­tie­ren (obwohl ich seine Erzäh­lun­gen gründ­lich gele­sen habe, und eini­ges Sekun­dä­res noch dazu). Was ich aller­dings sicher sagen kann: Andreas und ich haben, als wir die Texte scann­ten, kor­rek­tur­la­sen und edier­ten, sti­lis­tisch nur sehr wenige Ein­griffe gemacht. Und wenn, dann i.d.R. zum Bes­se­ren der Texte, so viel halte ich mir auf meine lite­ra­ri­sche (und auch sons­tige) Aus­bil­dung dann doch zum Guten.
Die »merk­wür­dige Flach­heit«, die dem Rezen­sen­ten hier auf­fällt – sie ist, lei­der, Ewers selbst geschul­det (ein Blick in die Ori­gi­nale bringt es an den Tag).

Das ist wohl der Gip­fel der Dreis­tig­keit, frech und anma­ßend alte Texte zu ver­wäs­sern und taug­lich für den sub­jek­tiv in der Vor­stel­lung der Her­aus­ge­ber exis­tie­ren­den »heu­ti­gen Leser« zu machen.

Das ist ver­ständ­lich. Und doch: Wir haben vor allem an Leser gedacht, denen sich eine Pointe wie »Der Mensch hatte … Spar­röll­chen an!« nicht mehr erschließt. Also ver­mut­lich an die Mehr­heit der leben­den Leser­schaft (die Her­aus­ge­ber übri­gens ein­ge­schlos­sen).

Und: mir erschie­nen, auch als ich dies noch nicht gele­sen hatte, die Geschich­ten Ähn­lich­keit mit schlech­ten Poe-Übersetzungen zu haben. Ohne die tat­säch­li­che Raf­fi­nesse, ohne den typi­schen Duk­tus; doch nahm ich erst an, es wäre dies der nor­ma­len Ver­än­de­rung des Stils geschul­det, die bei jedem Autor im Laufe sei­nes Lebens zu fin­den wäre.

Die­sen Satz ver­stehe ich nicht, da ich nicht weiß, was »die nor­ma­len Ver­än­de­run­gen des Stils« sein sol­len, die jeder Autor erfährt (zumal nicht jeder Schrift­stel­ler sei­nen Stil im Laufe sei­nes Lebens erkenn­bar ändert). Außer­dem hat­ten wir Ewers’ Texte aus ver­schie­de­nen Publi­ka­tio­nen zusam­men­ge­stellt, sodass sich darin ver­schie­dene (Alters-)Stile fin­den las­sen müss­ten.
Dass sich Ewers’ Texte wie Poe lesen, hat damit zu tun, dass Ewers ver­suchte, wie Poe zu schrei­ben.

Das Cover erin­nert mich an Gru­sel­heft­chen, die man am Kiosk kau­fen kann, John Sin­clair lässt grü­ßen.

Das Cover-Gemälde der Aus­gabe stammt von Antoine Joseph Wiertz, einem – nicht unend­lich bekann­ten, aber kei­nes­wegs zweit­ran­gi­gen – bel­gi­schen Maler des 19. Jahr­hun­derts.

Die Schrift­art, beson­ders die Über­schrif­ten schei­nen dem Hori­zont eines Lai­en­dich­ters, der schnul­zige Lie­bes­ge­dicht­chen im Eigen­ver­lag ver­öf­fent­licht, ent­sprun­gen zu sein, so auch die gewähl­ten Frau­e­n­il­lus­tra­tio­nen und ande­ren Details, die zwar einen Ein­druck von der Wende von 19. auf 20. Jh. ver­mit­teln, aller­dings: extrem an den Zeit­geist ange­passt.

Hm. Die ver­wen­det Type ist eine Gara­mond, eine extrem ver­brei­tete und voll­kom­men unver­däch­tige Serif­type. Die Über­schrif­ten sind in Art Gothic gesetzt, einer jugend­sti­li­gen Free­font. Die ist sicher Geschmacks­sa­che, aber in Abstim­mung mit den Illus gewählt: Diese »zeit­geis­ti­gen« (Frauen-)Illustrationen stam­men von Mucha, Mor­ris und Klimt. Und ver­mit­teln des­halb einen Ein­druck von der Wende von 19. auf 20. Jh., weil sie damals ent­stan­den. Ob sie das Beste sind, was man den Tex­ten hätte beige­ben kön­nen?
Ver­mut­lich nicht, ich halte es aller­dings für ver­tret­bar, einen Jahrhundertwende-Autor mit Jahrhundertwende-Zeichnungen zu illus­trie­ren.

Ewers jedoch war Phantast/Visionär, wenn auch durch­aus erfolg­reich, so macht das auf mich den Ein­druck, als würde jemand in 100 Jah­ren Werke Fou­caults in Bravo(die Zeit­schrift für Jugendliche)-Optik ver­öf­fent­li­chen, weil es sie ja auch mal zeit­gleich gege­ben hat.

Focault und Bravo in einem Ver­gleich – Cha­peau! Würde ich übri­gens gerne sehen, den Band. »Sexua­li­tät und Wahr­heit« zumin­dest.

So werde ich mich nach der ori­gi­na­len Ver­sion der Geschich­ten umse­hen und ein­deu­tig lie­ber noch ein­mal die kau­fen.
Wer Ewers lesen will, besorge sich Alraune oder eben die Geschich­ten »in Ori­gi­nal­fas­sung« (wie trau­rig, dass ich nicht davon aus­ge­hen kann, sie beim Kauf zu bekom­men; und damit meine ich nicht die Anpas­sung an die aktu­elle Recht­schrei­bung).

Im Wesent­li­chen haben wir die Texte in die neue Recht­schrei­bung über­tra­gen, an eini­gen Stel­len leicht gekürzt und einige Kaiserreichs-Begriffe (die erwähn­ten »Spar­röll­chen« bei­spiels­weise) durch Syn­onyme ersetzt.
Die Geschich­ten in Ori­gi­nal­fas­sung sind übri­gens gar nicht so leicht zu bekom­men (habe selbst eine Aus­gabe aus den 20ern ange­kauft, weil die Texte anders nicht gut hab­haft und scann­bar waren).
Ich hätte mich also (man hört es wohl her­aus) gefreut, wenn der Rezen­sent sich nach den ori­gi­na­len Geschich­ten »umge­se­hen« hätte (oder es zumin­dest ver­sucht), bevor er sich unsere, gar nicht so ewers-ferne, Aus­gabe zur Brust nahm.
Dann hätte er, ver­mut­lich zu sei­nem Schre­cken, fest­ge­stellt, dass die Schwä­chen unse­rer Aus­gabe zu einem Gut­teil auf die Schwä­chen des Autors Ewers zurück­ge­hen.

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EXOT #18: Update

Die Aus­lie­fe­rung von EXOT #18 ver­zö­gert sich (teils durch meine Schuld) noch ein wenig; Gbooks bie­tet aber schon ein paar hüb­sche Ein­bli­cke. Und auch bei Ama­zon kann man das schaue Stück zumin­dest vor­be­stel­len. Ob’s wie­der eine E-Book-Ausgabe geben wird, hängt davon ob, mit wel­chem Nach­druck die Bei­trä­ger (gerne auch poten­ti­elle Kauf­in­ter­es­sen­ten) das wün­schen.

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Mal wieder Zweiter

Hatte vor zwei Jah­ren den Pro­to­typ eines Kar­ten­spiels gebaut, in dem man einen Dun­geon Boss spielt und seine Höhle in guter Sidescroll-Manier durch Fal­len und Mons­ter, die jeweils bestimmte Eigenschaften/Punktwerte afu­wei­sen, erwei­tert. Bis irgend­wann Hel­den kom­men und ver­su­chen, den Kar­ten­dun­geon zu plün­dern (die unte­ren, gelb­li­chen Kar­ten).

Jetzt auf der SPIEL in Essen ein wun­der­schö­nes Kar­ten­spiel ent­deckt, in dem man einen Dun­geon Boss spielt und seine Höhle in guter Sidescroll-Manier durch Fal­len und Mons­ter, die jeweils bestimmte Eigenschaften/Punktwerte auf­wei­sen, erwei­tert. Bis irgend­wann Hel­den kom­men und ver­su­chen, den Kar­ten­dun­geon zu plün­dern (die obe­ren Kar­ten; mehr Infos).

Fuckety-ho.

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Kurze Denkpause

Status

Lino

Ihr Lie­ben, habe zum Som­mer eine Fest­an­stel­lung ange­nom­men und neben­her auch noch ein wenig unter­rich­tet; des­halb ist hier nicht beson­ders viel gesche­hen. Sollte das auch die nächs­ten Wochen so sein, bitte ich um Ent­schul­di­gung.

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Lino

Wirag schickt heute Tim­mys (9) Hund für den »Pos­til­lon« auf Rei­sen. Und wie­der sind viele Leute viel-viel böse.

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Lino

Bild in Originalgröße anzeigenHabe für die taz einen jun­gen schwar­zen Deutsch-Amerikaner inter­viewt, der sich dem hie­si­gen Ras­sis­mus auf ganz eigene Weise stellt.

Poetry Slam Pforzheim

1Am 6. Juni 2014 fin­det im Pforz­hei­mer Kup­fer­dächle unser jähr­li­cher HIGHLANDER (»Es kann nur einen geben!«) für die deutsch­spra­chi­gen Poe­try Slam Meis­ter­schaf­ten 2014 statt, bei dem unsere/e National-Teilnehmer/in erko­ren wird. Bis­her bekannte Teilnehmer/innen und mehr Infos fin­det ihr bei Daten­krake Face­book oder auf Myslam.de.

Es haben sich 13 (!) mutige Starter/innen ange­sagt:

– Thors­ten Bruhn
– Gedeon Hesch (Kai­sers­lau­tern)
– Ste­fan Unser (Malsch)
– Mario Henn (Mann­heim)
– Mar­vin Suckut (Kon­stanz)
– Lille Mor (Kon­stanz)
– Zoey Lin­deg­ger (Kon­stanz)
– Syl­vie le Bon­heur (Mann­heim)
– Nik Sals­flau­sen (Kon­stanz)
– Bö Ni (Pforz­heim)
– Cor­ne­lia Jäni­cke (Pforz­heim)
– Chris­toph Bayer (Pforz­heim)
– Ste­pha­nie Bönisch (Pforz­heim)

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Soziale Medienmacht

Nicht schlecht, von der »Welt«. Nach­dem ich ihnen wahn­sin­nige 13 Feh­ler in einer ein­zi­gen Zei­tungs­spalte hin­über­get­wee­tet hatte, wurde der dazu­ge­hö­rige Micaela-Schäfer-Artikel in der Netz­fas­sung inzwi­schen tüch­tig durch­ge­putzt.

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Linksbums

read

  • »Auch Geis­tes­ge­störte und Hyp­no­ti­sierte kön­nen Urhe­ber sein«, weiß Spie­gel Online. Glück gehabt, Akif Pirincci (alter Hyp­no­ti­sier­ter).
  • »Für die Reak­tion der Zivil­ge­sell­schaft ist nun fatal, dass Frank­reich die eigene rechts­ex­treme Ver­gan­gen­heit kaum oder nur unzu­rei­chend auf­ge­ar­bei­tet hat.« Fun­dierte Ana­lyse der poli­ti­schen Situa­tion in la France nach der Euro­pa­wahl (de Nils Mink­mar).
  • »Dank avan­cier­ter Com­pu­ter­gra­phik ste­hen jetzt Sze­nen­bil­der und Effekte zur Ver­fü­gung, die den Comic in Bewe­gung plau­si­bel machen kön­nen. Dies ein­mal gesetzt, braucht es nur noch selbst­be­wusste Schau­spie­le­rei, die sich vom irren Dekor ein­rah­men lässt.« Diet­mar Dath über den neuen X-Men-Film.
  • »New Video Game’s Second-Person Shoo­ter Mode Fea­tures Someone Just Descri­bing Game To You
  • »So wird der Ernst-Willner-Preis nicht mehr von den deutsch­spra­chi­gen Ver­la­gen gestif­tet, statt­des­sen ist die Buch­hand­lung Heyn als Stif­ter ein­ge­sprun­gen .. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis trägt nun den Titel ‘Mr. Heyn’s Ernst-Willner-Preis’. Ein Genitiv-Apostroph, der schmerzt.« Aller­dings.
  • Sehr gute Arbeit der Wiwo, die die heftig.co-Macher auf­ge­spürt hat. Nicht so gut: Es steht kein Wort von den mas­si­ven Urheberrechts-Verstößen im Arti­kel, die heftig.co begeht.
  • Schrei „Marco“ und dein iPhone ant­wor­tet „Polo“. Hierzu bitte Witze machen, in denen Neo­na­zis und »Sieg« vor­kom­men.
  • Eine Comedy-Show, in der es darum geht, die Zuschauer *nicht* zum Lachen zu brin­gen. Lei­der geil.
  • »Viel­leicht will er [Tim Ren­ner] als Kul­tur­ver­ant­wort­li­cher so einen berühm­ten Slo­gan sei­nes Chefs Klaus Wower­eit ver­ges­sen machen. Statt ‘arm, aber sexy’ hieße es dann ‘arm, aber Pipi’. Ver­zei­hung, aber diese Pointe hat Ren­ner sich selbst zuzu­schrei­ben’.« Wel­che Pointe bitte, Spie­gel online?
  • Ein Witz ohne Witz. Gar nicht mal so klasse, extra3.
  • »Was, wenn plötz­lich eine Wulst aus dem eige­nen Kör­per wächst? Und die Freun­din die­sem Etwas ein Gesicht malt?« Eine Erzäh­lung von Sven Amts­berg.
  • »Slam­mer gegen Pfar­rer.« Tiara ab, Braun­schweig; segens­rei­che Ein­ge­bung!
  • Juli Zehs Merkel-Satire ist atem­be­rau­bend. Lang­wei­lig. Als EXOT-Einsendung wäre wir sofort abge­lehnt wor­den.
  • »I Wanna Marry Harry« könnte *tat­säch­lich* eine der dümms­ten TV-Prämissen ever haben.
  • »Ein Gedicht­wett­kampf ver­bun­den mit der gan­zen schril­len Thea­tra­lik des Wrest­lings und dem hys­te­ri­schen Anfeue­rungs­ge­brüll der Zuschauer.« Lyrik­w­rest­ling halt.
  • Wun­der­bare heftig.co-Parodie. Und ich Trot­tel hab noch vor zwei Wochen dar­über dis­ku­tiert, dass man so was doch mal machen sollte.
  • »Diese Gedichte – die Bil­der schief oder gefäl­lig, die Motive nicht vari­iert, son­dern wie­der­holt – zei­gen einen Schrift­stel­ler ohne Stil.« Bin ver­blüfft, dass mir die­ser herbe (und gar nicht mal so kurze) Gernhardt-Verriss (durch Rad­datz him­self, 2002) all die Jahre ent­gan­gen ist.
  • Die neue Aus­gabe von »Das Buch als Maga­zin« ist erschie­nen. Cle­ve­res Kon­zept!
  • „Aller­dings hal­ten sie offen­kun­dig auch ihre Zuschauer für Idio­ten, denen man unun­ter­bro­chen sagen muss, dass die Idio­ten, die sie ihnen zei­gen, Idio­ten sind, weil sie sie sonst womög­lich nicht als Idio­ten erken­nen.« Autsch. Nig­ge­meier über Spie­gel TV.
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Status

Lino

Ano­ther EXOT bites the Dru­cker­presse. In rund drei Wochen in allen Brief­käs­ten, die schlau genug waren, ein Abo abzu­schlie­ßen, oder naiv genug, am Heft mit­zu­wir­ken. Na schö­nen Dank auch.

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