Pirinçci, handgemacht (mit rechts)

Nachdem ich mich nun doch ein wenig mit der unappetitlichen Causa Pirinçci („linksgrün versiffter Staatsfunk“; Die Grünen als „Kindersexpartei“ usf.) beschäftigen musste, stellte ich mit Erstaunen fest: Dessen neues Buch „Deutschland von Sinnen“, das Ijoma Mangold in der ZEIT den ersten Hitler-Vergleich seiner Karriere abnötigte, ist in der „Edition Sonderwege“ erschienen.
Und dort wiederum in der Subreihe „Lichtschlag“, die auf den gleichnamigen Publizisten zurückgeht. André F. Lichtschlag wiederum verantwortet auch das Magazin „eigentümlich frei“, das — so zumindest Wikipedia — „weltanschauliche und personelle Überschneidungen mit der Neuen Rechten“ aufweist.
In summa erscheinen in der „Edition Sonderwege“ und bei „Lichtschlag in der Edition Sonderwege“ eine ganze Reihe von Autoren, die sich gerne mit scharfen Thesen zu Gleichberechtigung, Sozialstaat, Migrationspolitik usw. hervortun.
Die entsprechenden Titel und Untertitel lauten: „Die demokratische Sklavenmentalität“; „Was sind unsere Werte noch wert?“; „Frauenquoten – Quotenfrauen“; „Demokratie. Der Gott, der keiner ist“; „Die Kunst, regiert zu werden“; „Feindbild Muslim. Schauplätze verfehlter Einwanderungs- und Sozialpolitik“ (von Lichtschlag selbst); „Hitler in uns? Vom richtigen Umgang mit unserer Vergangenheit“; „Politische Korrektheit. Das Schlachtfeld der Tugendwächter“ et al.
Die „Edition Sonderwege“ nun ist wiederum ein Imprint von Manuscriptum. Einem Verlag, der – wie Logo und Name auf den ersten Blick erkennen lassen – seinerseits mit dem Edelkaufhaus Manufactum verbunden ist. Genauer: seit 2008 Eigentum der Thomas-Hoof-Gruppe ist, die dem ehemaligen Manufactum-Gründer gleichen Namens untersteht; Manufactum selbst gehört mittlerweile der Otto Group.
„Es gibt sie noch, die guten Dinge: Ausländerfeindlichkeit, sexuelle Diskrimierung und Frauenhass“?
Manufactum und Otto täten auf jeden Fall gut daran, sich zeitnah von den publizistischen Bemühungen des ehemaligen Firmenchefs zu distanzieren. Wenn sie denn überhaupt ein Interesse daran haben.

Nachtrag: Sehe gerade: Hilal Sezgin hat bereits am 1.8.2013 in der Süddeutschen auf die Verbindungen zwischen Manufactum und -scriptum hingewiesen und bei Letzterem dort „offenbar eine beachtliche Menge homophober, antifeministischer, revisionistischer, rassistischer und demokratiefeindlicher Schriften“ (Perlentaucher) entdeckt. Wofür sie postwendend und erwartungsgemäß von verschiedenen (neo-)konservativen Autoren angegriffen und beschimpft wurde (u.a. als „BlockwartIn“). Bei Sezgin heißt es:

Bei Manufactum, das heute wie gesagt nicht mehr Thomas Hoof, sondern zu Otto gehört, verweist man darauf, dass man an dem Verlag unbeteiligt sei. Drei harmlose Handwerks- und Haushaltsbücher kann man bei Manufactum zwar kaufen. Doch auf Anfrage heißt es: „Das Programmspektrum“ von Manuscriptum sei bekannt, man mache sich die Positionen „heute in keiner Weise zu eigen“; es sei aber „kein hinreichender Anlass, die aus unserer Sicht geeigneten Titel aus dem Programm zu nehmen“.
Sprich: Die Manuscriptum-Autoren mögen sich in Antifeminismus, Schwulenfeindlichkeit, Revisionismus und Rassismus befleißigen, aber das tut der Qualität der Gartenbücher ja keinen Abbruch.

Nachtragnachtrag: Und Jan Drees schrieb gerade, dass auch er in seinem Blog bereits gestern kurz auf den Zusammenhang hinwies. Dito die FAZ von vorgestern.

Dritter und letzter Nachtrag: Die guten Kollegen von der Huffington Post Deutschland haben die Anregung aufgenommen und auch von Manufactum ein, leider karges, Statement erhalten.