Stewart Lee

Irgendjemand Primaes hat die neue Stewart-Lee-Staffel bei Youtube hochgeladen, der neben Iannucci und Chris Morris den cleversten Humor auf der Insel macht. Freudefreude. Wobei man sich, to be fair, ein wenig in UK auskennen muss, sonst dürfte Einiges verloren gehen (d.h. Lee Mack, Ukip, Bongo Bongo Land, Russell Brand, Keith Lemon, Peter Stringfellow usf. sollten einem vage etwas sagen).

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Linksbums:

  • Stefan Willeke von der ZEIT hatte die ausgezeichnete Idee, die Verteidigern des Krawallautors Akif Pirinçci zu besuchen (oder zumindest anzurufen):

    Wer setzt sich stärker über wessen Realität hinweg, wer ist kurzsichtiger – wir, die Journalisten meinungsbildender Blätter, oder die aufgebrachten Leser? Um es in der Sprache des Erfolgsautors auszudrücken: Wer fickt ins falsche Loch?

  • McSweeney’s freut sich über Key & Peele, die mir neu waren, aber ganz offensichtlich ausgezeichnete Sketche machen:

Linksbums:

  • Eine Leseprobe zum neuen Dath-Comic (Verbrecher-Verlag)
  • Die berechtigte Frage, was das Internet mit dem Gehirn anstellt (via Prospect):

    We need someone to do for the internet what the French phenomenologist Gaston Bachelard did for architecture. In The Poetics of Space, Bachelard explained the way our different metaphors of enclosure—houses, corners, shells, and nests—mimic and shape the way we imagine ourselves to be in the world. For Bachelard, images came before thoughts. They were the way the mind represented the world to itself. No social scientist is going to go down this road, but someone should—a philosopher, or a poet, or a novelist—especially because technology is threatening to make extinct many once-commonplace types of experience.

  • Eine FAZ von 1979, die übersetzt, was sie für »Disco-Deutsch« hält (via Nerdcore).

Linksbums:

  • Wunderbares Stück von Jack Urwin auf McSweeney’s: Hot Singles are In Your Area!

    Hot singles don’t get why it’s such a problem they’ve spent three nights in a row out with their girlfriends, come on, do you want them to just stop having fun now?

  • Daniels Besprechung des Rollenspieler-Sachbuchs »Drachenväter«.
  • Elisabeth von Thadden über den neuen Miegel, den Doyen der konservativen Wachstumskritik:

    Linke Kapitalismuskritik ist Miegel zu eng, aber dass es eine alles vernutzende Wirtschaftsform ist, die Menschen zu zwanghaften Konsumenten degradiert, sagt er entschieden. Diese Menschen verspottet er angenehmerweise nicht, er belehrt sie nicht, und er verachtet sie nicht. Miegel ist kein Moralist, das macht ihn so überzeugend.

  • Und Frank Schäfer über Wenzel Storch, der auch im nächsten EXOT eine Rolle spielen wird.

    Und dann ist da eben noch Storch. Ein niedersächsischer Provinzler durch und durch und zugleich ein egomaner bis soziopathischer Künstlertyp, der sich in den letzten Jahren vom eher berüchtigten als berühmten Bad-Taste-, Camp-, Trash-Filmer … zum Universalkünstler weiterentwickelt hat.

Personalproblem

Und wie ich so nichtsahnend einen weiteren transcript-Band korrekturlese, behauptet der Duden doch allen Ernstes, der Plural von »Persona« sei »Personanae«. Denen hätte mein Lateinlehrer den culus versohlt. Sine grano salis. Andererseits gilt: Allzu präpotente Korrekturleser werden ganz schnell zu Personanae non gratatae.

Poetry Slam & Begrifflichkeiten

Bin gespannt, wann sich unter Deutschland Medienschaffenden herumspricht, dass ein »Poetry Slam« bzw. »Slam« eine Veranstaltungsform ist; auf dass wir hinfort keine Sätze mehr mit den Augen wegschlucken müssen wie dieses »Welt«-Wunder:

Julia Engelmanns Slam, der in allen Zeitungen Wellen schlug, wurde mittlerweile fast sechs Millionen Mal angeklickt.

Obwohl die Vorstellung, dass Frl. Engelmann eine Veranstaltungsreihe betreibt, die man nicht nur anklicken kann, sondern die auch Wellen schlägt (und in Zeitungen schiergar dazu!), etwas Magisches, fast Magnetisches oder haltdochwieder vollständig Geistfreies hat.

David Shrigley: Tweetup

Die glamtastischen Kulturkonsorten haben ein bonfortionöses Tweetup zur Eröffnung der hervorglänzenden Ausstellung von David Shrigley in der Pinakothek der Moderne veranstaltet. Und wie ich so vergnügungsvoll durch Dr. Christian Griesens Blog kroch, stolperte ich über den schönen Satz:

Shrigley, der Sezierer des Menschen, hatte eine fleischlose Figur geschaffen und uns mit dem Innersten des Menschen konfrontiert. Auf den ersten Blick schien es, als wäre eine der Kreaturen aus seinen gezeichneten Animationsfilmen entkommen und in den “secret room” geklettert. Dort stand sie nun, frech und provozierend und rief uns zur Besinnung auf. Ein Spiel um Dissonanz, um inszenierten Dilletanismus in den heiligen Hallen eines Kunstpalastes. Ein Objekt, das die Wertschätzung und Interpretation des Betrachters braucht, um überleben zu können. Humoralpathologie hat das Lino Wirag einmal genannt.

Was schon irgendwie stimmen wird.

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Giulia Enders: „Pflaume mit Pfiff“

Guilia Enders: Pflaume mit PfiffNachdem ihr Sachbuch „Darme mit Charme“ in wenigen Stunden an die Spitze der Bestseller-Listen schoss, legt die schöne Krankenschwester Giulia Enders nach: „Pflaume mit Pfiff“ (Ullstein untenrum, 8,99 €) behandelt ein Körperphänomen, das bislang eher für viszerale Verkrampfung sorgte als für Talkshowtauglichkeit: Vaginalflatulenzen.

„Wer kennt das nicht?“, lachte die 24-Jährige bei Markus Lanz, „kaum bückt man sich mal nach einem heruntergefallenen Stück Suppe, knallt es schon los.“ Eine Freundin hatte Enders auf das – oft verschwiegene – Thema aufmerksam gemacht. „Sie fragte: Habe ich zu tief in den Bauch geatmet? Ist mein Muttermund undicht? Muss ich den Beckenboden neu kacheln lassen?“, grinst Enders.

„Mir sind so viele Missverständnisse begegnet, dass ich es gemacht habe wie beim Golf: einfach aufs nächste Loch gespielt“, freut sich Enders und furzt mit den Lippen. Fertig war das Sachbuch zum Scheidenwind. Unterstützung erreichte sie auch von Alice Schwarzer. „Ein feiger Arsch lässt keinen mutigen Furz“, wird die Frauenrechtlerin auf dem Buchrücken zitiert: „Eine mutige Feige schon!“

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Im Harmoniegeschäft

Status

Lino

Bild in Originalgröße anzeigenWie Joachim Gauck auch schlimmste Diktatoren ganz butterweich zusammenstaucht, schreibt Wirag in der morgigen (Mittwoch) taz-Wahrheit. Link folgt hier, sobald alldieweil der Text auch online zu finden ist.

Pirinçci, handgemacht (mit rechts)

Nachdem ich mich nun doch ein wenig mit der unappetitlichen Causa Pirinçci (»linksgrün versiffter Staatsfunk«; Die Grünen als »Kindersexpartei« usf.) beschäftigen musste, stellte ich mit Erstaunen fest: Dessen neues Buch »Deutschland von Sinnen«, das Ijoma Mangold in der ZEIT den ersten Hitler-Vergleich seiner Karriere abnötigte, ist in der »Edition Sonderwege« erschienen.
Und dort wiederum in der Subreihe »Lichtschlag«, die auf den gleichnamigen Publizisten zurückgeht. André F. Lichtschlag wiederum verantwortet auch das Magazin »eigentümlich frei«, das — so zumindest Wikipedia — »weltanschauliche und personelle Überschneidungen mit der Neuen Rechten« aufweist.
In summa erscheinen in der »Edition Sonderwege« und bei »Lichtschlag in der Edition Sonderwege« eine ganze Reihe von Autoren, die sich gerne mit scharfen Thesen zu Gleichberechtigung, Sozialstaat, Migrationspolitik usw. hervortun.
Die entsprechenden Titel und Untertitel lauten: »Die demokratische Sklavenmentalität«; »Was sind unsere Werte noch wert?«; »Frauenquoten – Quotenfrauen«; »Demokratie. Der Gott, der keiner ist«; »Die Kunst, regiert zu werden«; »Feindbild Muslim. Schauplätze verfehlter Einwanderungs- und Sozialpolitik« (von Lichtschlag selbst); »Hitler in uns? Vom richtigen Umgang mit unserer Vergangenheit«; »Politische Korrektheit. Das Schlachtfeld der Tugendwächter« et al.
Die »Edition Sonderwege« nun ist wiederum ein Imprint von Manuscriptum. Einem Verlag, der – wie Logo und Name auf den ersten Blick erkennen lassen – seinerseits mit dem Edelkaufhaus Manufactum verbunden ist. Genauer: seit 2008 Eigentum der Thomas-Hoof-Gruppe ist, die dem ehemaligen Manufactum-Gründer gleichen Namens untersteht; Manufactum selbst gehört mittlerweile der Otto Group.
»Es gibt sie noch, die guten Dinge: Ausländerfeindlichkeit, sexuelle Diskrimierung und Frauenhass«?
Manufactum und Otto täten auf jeden Fall gut daran, sich zeitnah von den publizistischen Bemühungen des ehemaligen Firmenchefs zu distanzieren. Wenn sie denn überhaupt ein Interesse daran haben.

Nachtrag: Sehe gerade: Hilal Sezgin hat bereits am 1.8.2013 in der Süddeutschen auf die Verbindungen zwischen Manufactum und -scriptum hingewiesen und bei Letzterem dort »offenbar eine beachtliche Menge homophober, antifeministischer, revisionistischer, rassistischer und demokratiefeindlicher Schriften« (Perlentaucher) entdeckt. Wofür sie postwendend und erwartungsgemäß von verschiedenen (neo-)konservativen Autoren angegriffen und beschimpft wurde (u.a. als »BlockwartIn«). Bei Sezgin heißt es:

Bei Manufactum, das heute wie gesagt nicht mehr Thomas Hoof, sondern zu Otto gehört, verweist man darauf, dass man an dem Verlag unbeteiligt sei. Drei harmlose Handwerks- und Haushaltsbücher kann man bei Manufactum zwar kaufen. Doch auf Anfrage heißt es: „Das Programmspektrum“ von Manuscriptum sei bekannt, man mache sich die Positionen „heute in keiner Weise zu eigen“; es sei aber „kein hinreichender Anlass, die aus unserer Sicht geeigneten Titel aus dem Programm zu nehmen“.
Sprich: Die Manuscriptum-Autoren mögen sich in Antifeminismus, Schwulenfeindlichkeit, Revisionismus und Rassismus befleißigen, aber das tut der Qualität der Gartenbücher ja keinen Abbruch.

Nachtragnachtrag: Und Jan Drees schrieb gerade, dass auch er in seinem Blog bereits gestern kurz auf den Zusammenhang hinwies. Dito die FAZ von vorgestern.

Dritter und letzter Nachtrag: Die guten Kollegen von der Huffington Post Deutschland haben die Anregung aufgenommen und auch von Manufactum ein, leider karges, Statement erhalten.

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Rezension

Matthias Rürup von Fix Poetry hat »Irgendwas mit Schreiben« gelesen. Gefallen hat’s ihm nicht.

Zu meinem Beitrag heißt es: »Kontrastiert wird dieser – irgendwie tiefergehende – Text durch den nachfolgenden – ich sag mal – lustig-absurd-wirkungsorientierten Poetry-Slam-Beitrag von Lino Wirag mit dem Titel ‘Rosette, Karlheinze und Adonius hotten zu DJ Retarded Tetris’, der mit dem eigentlich alles sagenden Klammertext abbricht: ‘[endet hier wegen Unsinns]'«.

Zum Glück stimmt an diesem Votum fast gar nichts. Bin seit Jahren nicht mehr als Slammer aufgetreten und kann nur vor Rezensionen warnen, in denen sich Sprachmüll à la »irgendwie tiefergehend«, »eigentlich alles sagend« und »ich sag mal« massiert. Den Trick mit dem »eigentlich alles sagenden Klammertext« habe ich übrigens von dem irgendwie und eigentlich ziemlich prima Horst Evers geklaut. Sag ich mal.

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