Schöner worden

Falls es noch Typographie- und Rechtschreib-Neurotiker da drau­ßen geben sollte, die Micro­softs Nach­läs­sig­kei­ten hän­disch kor­ri­gie­ren möch­ten: Unten auf jeden Fall ein schlich­tes Word-Makro, das ich vor­hin geschrie­ben habe. Es wan­delt (i) deut­sche (halbe wie ganze) Anfüh­rungs­zei­chen in Guil­le­mets um, nimmt sich (ii) dop­pel­ter Abstände an und trans­for­miert (iii) fal­sche Bin­de­stri­che in rich­tige Gedan­ken­stri­che. Alles auto­ma­tisch und auf einen Klick, tür­lich. Dazu nach Bedarf belie­big pimp­bar. In der Anwen­dung sieht das etwa so aus:

Makro

Den Code gibt’s nach dem Klick: Con­ti­nue rea­ding

Filmanalyze this!

Wer ein biss­chen Ahnung von Excel, zwei Nächte Zeit und Spaß an der Inter­net Movie Data­base hat, kann sich eine höchst eigene Medi­en­his­to­rie samt kos­ten­lo­ser Per­sön­lich­keits­ana­lyse zusam­menfri­ckeln.
So habe bei­spiels­weise ich in den letz­ten 88 Jah­ren befremd­lich viele Filme zusam­men­ge­glotzt, die einen spür­ba­ren Über­hang zum Komi­schen erken­nen las­sen (meint zumin­dest Dia­gramm 1). Dia­gramm 2 zeigt, dass meine Kino­so­zia­li­sa­tion vor­nehm­lich in die Nul­ler Jahre fällt (was weni­ger ver­wun­dert); Dia­gramm 3 ver­mel­det dage­gen, dass dar­un­ter offen­sicht­lich mehr Spielberg-Filme waren, als ich gehofft hatte. Dia­gramm 4 zeigt übri­gens, dass ich dazu neige, Filme eher bes­ser zu bewer­ten als der Rest der Welt. Aber auch nur 0,07 Pünkt­chen besser.

Wer auch will (Gefahr ist klar): IMDb-Konto anle­gen → Filme bewer­ten (am bes­ten bei den Fil­men anfan­gen, die von den meis­ten Men­schen bewer­tet wur­den, wei­tere von IMDb vor­schla­gen las­sen) → 300+ sollten’s schon sein, aber das kriegt ein homo tech­no­lo­gi­cus locker hin → Bewer­tun­gen anzei­gen las­sen → Bewer­tun­gen expor­tie­ren → In Excel impor­tie­ren → In Excel rum­fri­ckeln → Über Excel flu­chen → Excel-Formeln goo­geln → Noch mehr über Excel flu­chen → Done.

Nach­trag: Hätte mir den­ken kön­nen, dass andere Men­schen (in die­sem Fall B. Bet­tin­ger von Col­li­der) das auch machen.

Nach­trag 2: Ein fünf­tes Chart, das unge­fähr so viel sagt wie: Ich neige dazu, mit­tel­gute bis sehr gute Filme (zwi­schen 7 und 9 Punk­ten) eher bes­ser zu bewer­ten als der Rest der Welt (blaue Linie ten­den­zi­ell über grü­ner Linie, die den IMDb-Durchschnitt anzeigt); vice versa aber auch mit­tel­gute bis sehr schlechte Filme eher schlech­ten zu fin­den. Einer­seits also zu kri­tisch, ande­rer­seits nicht kri­tisch genug. Brmpfl.

Glotzchart5

Bibliographien

Nach­dem ich schon vor eini­ger Zeit eine Biblio­gra­phie zu Poe­try Slam und Slam Poe­try (im For­mat der Lite­ra­tur­ver­wal­tungs­soft­ware Citavi, die man in einem gewis­sen Umfang auch kos­ten­los nut­zen kann) als Winz­bei­trag zum freien wis­sen­schaft­li­chen Publi­zie­ren zur  Ver­fü­gung gestellt habe, rücke ich jetzt mit Bibi­lo­gra­phien zu Komik/Satire/Humor und Literarischem/Kreativem Schrei­ben nach, die zwar noch im Ent­ste­hen begrif­fen sind, aber regel­mä­ßig aktua­li­siert werden.

Mit EXOT #14 geht die Welt unter:

Exot14

Seit Mon­tag ist EXOT #14 (Zeit­schrift für komi­sche Apo­ka­lypse) aus der Dru­cke­rei, seit Mitt­woch auf dem Weg zu unse­ren Abon­nen­ten, seit Don­ners­tag web­weit (bei­spiels­weise über unsere for­mi­da­ble Home­page) bestell­bar, seit heute in der trau­ma­tisch tol­len Tita­nic zu bewun­dern (viel­mals Kotau an die Kol­le­gen in Frankfurt).

Mehr Infos lie­fert treu­lich http://www.exot-magazin.de, dort auch Lese­pro­ben, Inhalts­ver­zeich­nis, Erra­tum und ähn­lich Unentbehrliches.

Ralph reichts: Die salonmarxistische Lesart

Theatrical release poster depicting the protagonist, Ralph, along with various video game charactersMit “Ralph reichts” (rich­ti­ger wäre übri­gens “Ralph reicht’s” gewe­sen; aber das nur neben­bei) ist es Dis­ney unfrei­wil­lig gelun­gen, eine Para­bel der moder­nen Arbeits­ge­sell­schaft zu schrei­ben, die sogar schon Vier­jäh­rige ver­ste­hen dürf­ten. Sagt zumin­dest der Salon­mar­xist in mir.

Aber las­sen wir die Fak­ten spre­chen: Die Welt der Arcade-Spielhalle, in der sich die Hand­lung von “Ralph reichts” aus­schließ­lich zuträgt, wird struk­tu­rell von mäch­ti­gen Inves­to­ren (den mensch­li­chen Spiel­hal­len­be­su­chern) beherrscht, die ihr Geld in ver­schie­dene Spiele flie­ßen las­sen, um eine Reihe von unfreien Vasal­len (den Com­pu­ter­spiel­fi­gu­ren) zum Tan­zen zu brin­gen. Der mensch­li­che Inves­tor hat die Wahl, sein Geld ent­we­der in hoch­mi­li­ta­ri­sierte Kriegs­füh­rung (“Hero’s Duty”), den schum­pe­ter­schen Zir­kel von Zer­stö­rung und Wie­der­auf­bau (“Fix-it Felix Jr.”) oder in die zucker­süße Kari­ka­tur neo­li­be­ra­ler Beschleunigungs-, Selbststeigerungs- und Wett­be­werbs­phan­ta­sien (“Sugar Rush”) zu stecken.

Je mehr in ein bestimm­tes Spiel inves­tiert wird, desto höher des­sen Markt­wert; wird ein Auto­mat jedoch nicht mehr nach­ge­fragt, ‘stirbt’ das Unter­neh­men und die Mit­ar­bei­ter wer­den arbeits­los (wie es Q*bert und Kol­le­gen pas­siert). Wenn inner­halb der Spiele auch nicht unbe­dingt tausch­ba­rer Mehr­wert pro­du­ziert wird, so sind Ralph und Freunde doch typi­sche Dienst­leis­ter, die acht und mehr Stun­den am Tag einer durch­t­ak­te­ten Rou­tine nach­ge­hen müs­sen, bevor die Spiel­halle schließt und sie einem trost­lo­sen Fei­er­abend ent­ge­gen­se­hen dür­fen.
Die Mei­nun­gen und Gefühle der Spiel­fi­gu­ren, die zum Ver­gnü­gen der Inves­to­ren instru­men­ta­li­siert wer­den, sind dabei völ­lig unmaß­geb­lich, selbst ihr (tem­po­rä­rer) Tod wird gezielt in Kauf genom­men. Sie sind im Wort­sinne ‘pro­gram­miert’ (sogar emo­tio­nal) und von der Zurich­tung ihrer Welt auf Gedeih und Ver­derb abhängig.

Ralph ist einer die­ser Ent­frem­de­ten, den nach 30 Jah­ren des Aus­har­rens die große Gra­ti­fi­ka­ti­ons­krise packt: Er will auch end­lich mal eine Medaille bekom­men; eine Rolle, die ihm – als Bösem – nicht zuge­dacht ist. Da hilft nur, genau wie in der moder­nen Arbeits­welt, der Gang zur (Gruppen-)Therapie, bei der man sich der gegen­sei­ti­gen Wert­schät­zung ver­si­chert und die eigene Fremd­be­stimmt­heit zu akzep­tie­ren lernt.
Als es Ralph schließ­lich titel­ge­bend ‘reicht’, zei­gen sich die wah­ren Dimen­sio­nen der geord­ne­ten Spiel­hal­len­welt: Ein Aus­bre­chen aus dem Knast der Wie­der­ho­lung wird min­des­tens mit Obdach- und Arbeits­lo­sig­keit (dem ver­meint­lich defek­ten Spiel wird der Ste­cker gezo­gen), schlimms­ten­falls mit der eige­nen Liqui­die­rung bezahlt. Echte Selbst­be­stim­mung war in die­sem Spiel nie vor­ge­se­hen.
Das ein­zige wider­stän­dige, im ador­ni­ti­schen Sinn nicht-identische Ele­ment die­ser Welt ist der Glitch Vanellope, der aller­dings an sei­ner gesell­schaft­li­chen Teil­habe regel­mä­ßig durch kör­per­li­che Gewalt und Ein­schüch­te­rung gehin­dert wird und als Obdach­lo­ser am Rand der Gesell­schaft exis­tie­ren muss; unfä­hig, das Spiel zu ver­las­sen und damit viel­leicht Aus­sich­ten auf soziale oder beruf­li­che Beweg­lich­keit zu bekom­men. Vanellope wird aus­schließ­lich von dem Ver­lan­gen ange­trie­ben, von den Mecha­nis­men des Spiels akzep­tiert und ‘sinn­vol­ler Teil’ der Arbeits­ge­sell­schaft wer­den zu kön­nen; Ralph dage­gen ist an einem sozia­len Auf­stieg inner­halb sei­nes eige­nen Seg­ments der arbeits­tei­li­gen Gesell­schaft gele­gen, die er not­falls mit unlau­te­ren Mit­teln (er ‘erringt’ die Medaille in “Hero’s Duty” nicht wirk­lich regel­kon­form) zu errei­chen sucht.

Am Ende wird natür­lich – im dis­ney­schen Sinne – alles gut. Nie­mand hat seine Job ver­lo­ren (bis auf den Betrü­ger Turbo, der gerich­tet wird). Der Glitch, der noch für ein Moment der Resis­tenz gebürgt hatte, ist ein­ge­glie­dert wor­den und hat gelernt, seine nicht-identischen Fähig­kei­ten iden­tisch zu machen, indem er sie sogar noch den Mecha­nis­men der Stei­ge­rungs­lo­gik ange­dei­hen lässt (Vanellope ‘funk­tio­niert’ auf­grund ihrer Fehl­pro­gram­mie­rung noch bes­ser als ihre Kon­kur­ren­tin­nen).
Ralph ist der soziale Auf­stieg inner­halb sei­ner Ver­gleich­gruppe gelun­gen, obwohl seine Tätig­keit nach wie vor die glei­che ist. Er hat ver­sucht, sein Schick­sal zu ändern und dar­aus nur gelernt, zu akzep­tie­ren, dass seine Selbst­be­stim­mung weni­ger wich­tig ist als die Hier­ar­chie zwi­schen Über- und Unter­bau. Und auch die ehe­mals selbst­be­stimmte Frau (Jean Cal­houn aus “Hero’s Duty”) ist bei ihrem inte­gren Heim­wer­ker glück­lich unter der Haube.
Die Schalt­kreise sind wie­der geschlos­sen. Und alle lächeln glück­lich in den Abspann hin­ein. Nein?

pardon wird wieder gegeben:

Ab heute grüßt das "Pardon"-Teufelchen wieder am KioskRespekt, wieder-wieder-auferstandenes par­don!

So – und nur so – muss die end­gül­tige Satire eines Maga­zins aus­se­hen!
Eines Maga­zins, des­sen ers­tes – und ver­mut­lich ein­zi­ges – Titel­blatt neben den Namen toter Kil­ler­fe­dern wie Loriot und Böll mit solch erschüt­tern­den Humor­ent­stel­lern wie Hell­muth Kara­sek und Büh­nen­krank­hei­ten wie Eckh. v. Hrhsn. auf­war­tet.
Und mit einem unüber­seh­bar zen­tral plat­zier­ten Dep­pen­ge­ni­tiv (“Das Tage­buch von Gott”). “Das Tage­buch Got­tes” nicht sprit­zig, wit­zig, fri­scher Wind etc. genug gewe­sen? Und vor allem: Wel­che Gedan­ken­ver­bre­chen und Humor­ge­webe erwar­ten uns erst im Inne­ren eures veri­ta­blen Witz­blatts?
Nix sagen.
“Fein­sinn, Unsinn, Hin­ter­sinn” (euer neues Motto), gell?
Im Moment schaut’s schwer nach Bie­der­sinn, Alters­schwach­sinn und Uhr­zei­ger­sinn aus.

Kein par­don auf jeden Fall für:
Lino

Nach­trag: Viel­sa­gend der (lei­der etwas hüft­steife) Zuruf von Nor­bert Thomma (tages­spie­gel) samt dem zuoft­ge­schrie­be­nen, aber ewig­wah­ren: “Humor­pro­duk­tion ist eine ernste Sache, und jeder Adres­sat hat sei­nen eige­nen Geschmack.”

Nach­trag 2: Die 4 bes­ten Witze aus der neuen par­don-Aus­gabe:
1. “Die Ästhe­tik von Par­don haben wir bewusst clean und wer­tig gehal­ten“ (Die Art­di­rek­to­rin).
2. “Ja, es war mir zu links und stand für den bra­chia­len Geist der 68er” (Der neue Her­aus­ge­ber über das alte par­don).
3. Der groß ange­kün­digte Bei­trag von Harald Schmidt.
4. Der nie erschien.